Nach einer Odyssee mit diversen Bussen sind wir am Lago de Atitlan angekommen. Das Busfahren ist etwas spezieller hier. Meistens hat man noch 2-3 Guatemalteken mit auf dem Schoß sitzen. Laute Salsa-Musik dröhnt grell und unaufhaltsam durch die Ohren. Hühner, ganze Inneneinrichtungen und Rucksäcke werden aufs Dach geschmissen und im Inneren die Leute gestapelt. In so einem Chickenbus (was im Prinzip ausgesonderte, umfunktionierte amerikanische Schulbusse sind) passen vielleicht 60 Leute. Hier wird mindestens das 3fache transportiert.
Die Busse fahren von einem größeren Dörfchen zum Nächsten. Dazwischen steigt man um. Was dann als Backpacker ungefähr so aussieht: Es gibt eigentlich keine genauen Haltestellen – zumindest keine für uns sofort erkennbaren. Irgendwo stehen mehrere Menschen an der Straße – ein Indiz. Meistens dauert es nur 2min und der nächste Bus fährt vorbei und ab gehts: Während der Bus eigentlich noch fährt, springt man rauf und alles ist fürchterlich hektisch. Irgendwelche Menschen reißen dir dein Backpack von den Schultern, schmeißen ihn aufs Dach und stapeln dich auf die anderen Leute im Bus. Es geht IMMER noch einer rein. Soviel ist sicher! Dann geht es in einem Mordstempo und unter Missachtung jeglicher Verkehrsrichtlinien durch die Serpentinen. In dem Kurven hängt man am Ohr des Anderen bis man in der nächsten Kurve zum nächsten Ohr geworfen wird. Was ungemütlich und stressig klingt, ist eine grandiose Erfahrung, um mit Locals in Kontakt zu kommen. Und wirklich: Auch mit dem erbärmlichen Spanisch und unseren 2 Händen kann man viel erreichen. Alle helfen gern, haben ein Lächeln über oder sogar einen kleinen Schnack.
Angekommen, ging es weiter mit dem Boot nach San Marcos. Hier lag uns der See zum ersten Mal zu Füßen: Eine mystische alte Dame. Wo man auch hinsieht, drängen sich majestätische Vulkane in den Vordergrund – eingekesselt von kleinen Villages, die in fruchtbare grüne Hügel abtauchen. Vor Millionen von Jahren ging es mit Vulkanausbrüchen hier richtig zur Sache. Die Aschewolke sah man noch bis nach Florida. Durch den massiven Magmaausstoß ist die Oberfläche des Terrains auseinander gebrochen und hat eine zirkulare Mulde geformt, die sich schnell mit Wasser gefüllt hat: Den 18km breiten Lago de Atitlan.
San Marcos ist ein kleines verwinkeltes Örtchen mit dschungelartigen Trampelpfaden gesäumt von Bananen-, Kaffee- und Avocadobäumen. Es macht den Anschein, als ob der Ort eine Art Doppelleben führt – Eine indigene Community kontrolliert den oberen Teil des Dorfes, während sich einige Expats im unteren Teil niedergelassen haben. Hier ist der Ort besetzt von einer Hippieszene und ein Magnet für Yoga-, Meditations- und Tantra- Freaks, die spirituell nichts anbrennen lassen. Räucherstäbchen werden zu meinem Leidwesen dagegen en Masse abgefackelt.
Wir sind hier bei Yehuda untergekommen, ein Palästinenser, der lange in der USA gelebt hat und hier nun sein Aussteigerleben lebt. Wobei ich vermute, dass sein ganzes Leben ein Aussteigerleben war. Er hat sich hier direkt am See eine kleine Off-the-Grid Bambus Cabin mit direktem Zugang zum Strand gebaut. Strom und warmes Wasser bekommen wir durch eine eigene Solaranlage. Das Wasser wird aus dem See geführt, gefiltert und im Silo gespeichert. Es gibt eine Kompost-Toilette und geduscht wird draußen mit einem phenomenalen Blick auf einen der Vulkane. Einen eigenen Bananen- und Avocadobaum haben wir auch. Jackpot!
Sylvester in Guatemala geht übrigens einfach. Vergesst die Kriegsschauplätze von Neukölln oder St. Pauli – was hier in hoher Taktung gezündet wird, sind Magmaexplosionen. Dazu ein buntes Treiben und viel tanzbare mittelamerikanische Klänge.
Morgen geht’s weiter nach Quetzaltenago. Hier werden wir die nächsten 3 Tage damit beschäftigt sein, den höchsten Punkt Mittelamerikas zu besteigen (ca. 4.200m). Challenge accepted!
























Ein frohes gesundes Jahr 2017. Ihr habt es ja richtig komfortabel, bis auf die Busfahrten. Aber so ist es in anderen Ländern. Dann einen schönen Aufstieg und gute Sicht.
Karin und Uli
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