Willkommen im Paradies! Beinahe aufgrund der umständlichen Anreise aus unserer Planung gestrichen, hat es Semuc Champey auf die Pole Position Guatemalas geschafft.
Die Kälte im Hochland und die abgasverseuchte Luft sowie der ohrenbetäubende Lärm in Quezaltenango ist vergessen und verziehen: Schmetterlinge in allen Größen und Farben haben uns jubelnd empfangen, die Wärme uns endlich wieder in den Arm geschlossen. Tropengefider zwitschern ein Hit nach dem anderen, der Dschungelchor mit allerlei Insekten und anderen Tieren als Backgroundchor. Die Luft warm und die Flora üppig. Ich habe für mich den Schluss gezogen, dass ich eher Mogli aus dem Dschungelbuch bin als Heidi aus den Bergen. Hier fühlt sich alles richtig an!
Wenn es wohl den perfekten Tag gibt, dann hatten wir ihn definitiv gestern. Mit einem leckeren Frühstück, einem ehrlichen Café con leche, unseren Lieblingskanadiern und einen phänomenalen Blick von unserer Hostelterrasse ins Grüne gestartet, ging es mit einer unaufgeregten, kleinen Gruppe von anderen Backpackern aus unserem Hostel auf in ein nächstes Abenteuer.
Begonnen hat alles mit einer aufregenden Caving-Tour durch das Höhlensystem von Semuc. Dafür benutzten wir nicht, wie sonst üblich, unsere Headlights, sondern spezielle Kerzen, die gerade soviel Licht spendeten, dass man sich orientieren konnte. Mit Feldermaus-Kot oder hoffentlich doch nur Dreck von den Höhlenwänden haben wir uns selbstverständlich noch angemessene Kriegsbemalung ins Gesicht gezaubert – wer weiß wen man in so einer Höhle damit noch beeindrucken kann. Da die Höhle selbst unter Wasser stand, standen wir es folglich auch. Oft war das Wasser so hoch, dass wir uns nur durch Schwimmen fortbewegen konnten. Kleine Wasserfälle im Inneren wurden von uns rauf und wieder runtergeklettert, Felsen herabgerutscht- oder gesprungen – immer mit dem Bemühen die Kerze am Brennen zu halten, die dem Ganzen zusätzlich eine gewisse Magie verlieh. Indianer Jones go home!
Nachdem wir wieder in der überirdischen Welt angekommen waren, folgten allerlei Späße am und im nahegelegenen Fluss: Rope Swinging, Jumps von diversen Wasserfällen und Brücken über 10m und als Finale das Tubing mit einem erfrischenden, kühlen Bier den türkis-milchigen Fluss hinunter.
Nachdem wir uns auf dem Abenteuerspielplatz ‘Natur’ ausgetobt haben, sind wir ca. 1h durch den Dschungel in luftigere Gefilde gehiked, um den perfekten Blick auf die Pools von Semuc Champey zu bekommen. Wenn alles vorher nur die Vorband war, hatten wir es jetzt mit dem Main Act zu tun – den Künstler auf den alle warten, von dem jeder eine Reflexion im Kopf und eine besondere Zuneigung im Herzen trägt. Die Naturpools waren der Starschnitt an unserer Wand, weswegen wir alle den langen, beschwerlichen Weg auf ungepflasteren Geröllstraßen, mit Schlaglöchern so tief wie meine Augenringe nach dem Vulkanaufstieg, auf uns genommen haben, und den wir jetzt live erleben wollten. Und da lagen sie also zu unseren Füßen: Terrassenartig, aus Kalkstein geformte Pools, gefüllt mit warmen, türkisem Wasser, umschlungen von dichter, saftiger Vegetation und kleinen Wasserfällen. Die Performance war makellos. Als Zugabe haben wir den Rest des Tages damit verbracht, in den Naturbecken mit den einheimischen Kids zu planschen und die letzten Sonnenstrahlen einzusaugen.
Morgen wird die Kulturkeule geschwungen – es geht nach Tikal, einer prähistorischen Maya-Stadt im Norden Guatemalas.







































