The Highlands

Die Besteigung des Volcán Tajumulco ist eine körperliche Grenzerfahrung und das wohl Härteste, was ich bisher gemacht habe. Herausfordernd ist nicht nur die Anstrengung des Aufsteigens von kontinuierlich steilen Abhängen mit schwerem Gepäck, es ist vor allem auch der mangelnde Sauerstoff in dieser Höhe, der einen an die Grenzen bringt. Aber auch die eisige Kälte nachts im Base Camp und auf dem Gipfel sowie die Höhenkrankheit, die zwei Leute aus unserer Gruppe erlitten und ein Mädel zum Abstieg zwang, waren kein entspannter Strandspaziergang, bei dem die einzige Sorge ist, den nächsten Kokosnuss-Shot zu finden, sondern harte Arbeit. Jeden Meter mussten wir uns erkämpfen und mit jedem Meter mehr, auch jedem Atemzug. Oftmals haben wir beim Aufstieg kaum Luft bekommen. Die Lunge verlangte mehr und mehr nach Sauerstoff, wurde aber nicht belohnt. Das Herz schien zu explodieren. Der Puls donnerte durch unsere Körper. Nie habe ich organische Vorgänge in meinem Körper so intensiv wahrnehmen können wie hier. 

Der Aufstieg zum Base Camp dauerte 5 Stunden. Hier haben wir unser Nachtlager aufgebaut, eine Kleinigkeit gegessen, den Sonnenuntergang genossen und ein Feuer gemacht. Vom Base Camp waren es noch 200m zum Summit. Was sich mehr als lächerlich anhört, war der anstrengendste und steilste Teil unserer Reise zum Krater. Nach einer harten, kalten Nacht im Zelt bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kletterten wir um 4:00 Uhr morgens die letzten 200m zum Gipfel. Nach 1 1/2 Stunden war alles glasklar – jeder wusste in diesem Moment, warum er all die Schmerzen und Strapazen auf sich genommen hat: Wir erreichten den höchsten Punkt Mittelamerikas und sahen den bezauberndsten Sonnenaufgang, den wohl ein jeder von uns bisher gesehen hat. Am Gipfel angekommen, führte der eisige Wind zur völligen Kraftlosigkeit, der Blick und die Atmosphäre zur absoluten Perfektion. Ein schizophrenes Gefühl. Wir kletterten in unsere halbwarmen Schlafsäcke, genossen den Moment und schliefen vor Erschöpfung ein. Danach umwanderten wir noch einmal den Krater, frühstückten Haferflocken und Kamillentee und bauten unser Lager ab. Der Abstieg vom Vulkan dauerte ca. 3h.

Unsere Gruppe bestand aus circa 20 Leuten – die meisten davon Amis und Kanadier. Durchgeführt wurde der Hike von den Quetzaltrekkern, eine Gruppe internationaler Volunteers, welche die Einnahmen den Straßen-Kids in Guatemala und anderen sozialen Projekten im Land zukommen lassen: Herausragende Guides mit wirklich spannendem Konzept. 

Der 3-stündige Transport zum Vulkan mit 20 Mann plus Equipment in einem dunklen LKW, diversen Chickenbusses und auf dem Rückweg in einem Viehtransporter war im Übrigen wieder laut, abenteuerlich und turbulent.

Morgen geht es mit Ani & Dani aus Montreal, die wir auf unserer Reise auf 4.220m Höhe kennengelernt haben, in wärmere Gefilde: Das zentrale Guatemala. Hier besuchen wir Semuc Champey – eine kleine Tropenoase mit wundersamen Naturpools und Höhlen. Der perfekte Ort also um unsere zerschlagenen Körper wieder in die Spur zu bringen.

An Ise: Ich will dich natürlich stets auf dem Laufenden halten, was die Toilettensituation im aktuellen Land angeht. Nach 7 Tagen konnte ich mir einen ersten fundierten Überblick verschaffen. Der Status Quo hier in Guatemala ist längst nicht so furchteinflößend wie in Myanmar Anfang letzten Jahres. Dennoch kann man hier keine Wellness-Tempel mit Rosenwasser-Spülung erwarten. Wenn die Spülung überhaupt geht, ist das schon ein erster Erfolg. Ich denke man kann es mit dem Level eines Festival-Dixie-Klos am frühen ersten Tag beschreiben – also gar nicht so übel. Es gibt aber auch Exoten unter den Kot-Tempeln. Einen davon gab es auf dem Berg im Base Camp zu bejubeln: Freistehende Kloschüsseln dessen Input direkt in einer Grube abgeseilt wird. Diese Schüsseln waren so sozial-ergonomisch ausgebufft, dass man sich während des Geschäfts mit dem Klo-Nachbarn über die neusten Aktienkurse oder das Abendessen vom letzten Abend austauschen konnte, was in dem Moment seinen Ausgang fand. Social Fullfillment!! Das hätte dir gefallen. Zu deiner Beruhigung (oder Schrecken) das Geschäft auf dem Vulkan wurde von uns selbstverständlich würdevoll hintern Busch und nicht auf den Heiligen drei Kloschüsseln verrichtet. Ich halte meine Augen und Nasen weiter offen und melde mich bei gegebenen Zeitpunkt mit einem Update zurück!


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