The long journey to Honduras!

Was isst eigentlich so ein Guatemalteker den ganzen Tag? 

Die Antwort ist schlicht und simpel. Fried Chicken! Zum Frühstück, Lunch und Zwischendurch. Angereichert mit frittierten Bananenstücken, Reis mit Karottenstückchen (schlimm!) und Bohnenmus. Dazu werden meistens Tortilla-Fladen gereicht. Aber wirklich überall wo man geht und steht, lächeln ein-drei debil grinsende Comic-Hähnchen auf ein herab: Pollo Gustavo, Pollo Ray, Pollo Manuel, Pollolandia…Sieht man von den hochfrequentierten Hähnchen-Butzen im Street- und Fast Food-Business ab, findet man mit Glück im Restaurant noch Tacos, Burritos, Nachos oder Quesadillas – die Nähe zu México ist also auch auf dem Teller noch zu spüren. Das Essentielle hier aber ist: Die Avocado! Neben Hähnchen DAS Hauptnahrungsmittel.

Aber nun zu unserer langen Reise ins crazy, lazy Honduras: Alles fing mit unserer Wiedergeburt in El Remate an. Von unserer Lebensmittelvergiftung halbwegs genesen, gab es erstmal ein euphorisches Happy Birthday zum Frühstück – denn der liebe Konstantin ist ein Jahr älter geworden. Nach der vielen Wertschätzung ging es auch direkt mit dem Bus Richtung Rio Dulce – etwa 4h gen Süden. Von hier haben wir eine süße Flußfahrt unternommen, die direkt an der Karibikküste in Livingston endete. Tuckert man über den Rio Dulce, kann man allerlei tropische Vögel, heiße Quellen zum Planschen, eine zum Teil verwunschene Mangrovenszenerie und indigene Damen beim Wäschewaschen im Fluss beobachten. Livingston selbst ist ein entspanntes, unaufgeregtes Plätzen. Hier haben wir die Nacht in einer netten Unterkunft direkt am Beach verbracht. Inklusive riesiger, haariger Mehrbeiner.

Von Livingston ging es am frühen Morgen in aller Dunkelheit mit einem kleinen Drogenschmuggel-Boot nach Puerto Barrios. Mit uns sind noch vier schlecht Englisch sprechende Franzosen an Bord gewesen und es wurde ziemlich schnell klar, dass auch sie auf ihren Weg nach Honduras sind. Im ersten Moment dachte ich – ideal, dann müssen wir den komplexen, langen Weg nach La Ceiba nicht allein auf uns nehmen (zumal sie gut Spanisch konnten) – aber die anfängliche Freude wurde schnell getrübt…

Am Dock von Puerto Barrios im Morgengrau angekommen, haben wir Roberto kennengelernt. Das Örtchen selbst war noch im Tiefschlaf und frei von Touristen. Roberto wollte uns mit zur Grenze nehmen. Er bat uns aber auch an, den ganzen Weg direkt nach La Ceiba zu fahren für einen Preis, der fair war. Bedingung war allerdings, dass alle 6 Leute mitfahren – ansonsten würde es sich für ihn nicht lohnen. Fair enough! Die Franzosen allerdings waren natürlich beratungsresistent und meiner Meinung wirklich grün hinter dem Ohren und blind auf den Augen. Diese Trägheit und Unfähigkeit schnelle, logische Entscheidungen zu treffen sowie die Ohnmacht effizient zu handeln, hat mich auf der gesamten Reise richtig erbost. Roberto, unseren Fahrer auch: “Francés no son buenos” Eigentlich würde ich soweit jetzt nicht ausholen. Aber für den Moment hatte Roberto definitiv meinen Segen. Wir klopften uns kurz auf die Schulter, um unsere gemeinsame Erkenntnis zu feiern. An der Grenze angekommen, trennten sich dann aber unsere Wege. Bei mir dampft schon wieder tief-schwarzer Rauch aus den Ohren, wenn ich nur dran denke. Ja, die Kombi aus mehreren Bussen nach La Ceiba ist natürlich die günstigere Variante. Die Fahrt ist allerdings auch umständlicher durch die vielen Umstiege, längeren Fahrzeiten und vor allem der Umweg nach San Pedro Sula, einer der gefährlichsten Städte der Welt, unnötig in Anbetracht, dass wir alle unbedingt (!) die letzte Fähre um 4 Uhr schaffen mussten – was so schon ein Spiel gegen die Zeit war! 

Whatever! Nach dem Abstempeln unserer Pässe an der Grenze, haben wir noch schell unsere restlichen Quezales zu einem erstaunlich guten Kurs bei einem der zwielichtigen Männer mit wehenden Geldbündeln getauscht und sind nach 1h Warten mit den nächsten Bus nach Puerto Cortes ins tiefe Honduras abgerauscht. Hat es in Guatemala noch geregnet, legte sich nun die warme Sonne über das satte Grün von Honduras. Die Schlaglöcher waren nicht mehr so frequentiert und es gab sogar Seitenstreifen auf dem minderwertigen Asphalt. Was den Straßen zu Gute kam, war bei den Menschen an der Grenze weniger ausgeprägt. Die sahen irgendwie…mitgenommen aus. Narben und schielende Augen hier, Schluchten unter den Augen und in der Haut da.

In Puerto Cortes angekommen, sollten wir eigentlich nach San Pedro Sula umsteigen. Allerdings wusste keiner, ob heute noch ein Bus kommen wird, da die Strecke nach SPS wohl gerade zu gefährlich ist. Nach zeittötenden Hin- und Her mit unseren entscheidungsfreudigen Franzosen haben wir uns endlich durchringen können ein Taxi zu nehmen. Auf dem Weg aus der Stadt wurde mir zum ersten Mal flau im Magen: Wir begegneten Autos mit zahlreichen Einschusslöchern an Hinterfront und Scheiben. Willkommen in Honduras! 

In San Pedro Sula am Busterminal angekommen, ging alles sehr schnell. Ticket und ab in den Bus. Nach bereits 5min Fahrt kam der Bus zum Stoppen. Die ersten paar Minuten hat sich keiner Gedanken um tiefere Beweggründe gemacht. Auffällig war nur, dass es draußen etwas hektischer und waffenpräsenter zuging. Einige Autos vor uns hatten eingeschlagene oder durchschossene Scheiben. Erstmal nichts ungewöhnliches, wenn man in der Stadt mit der höchsten Mordrate der Welt unterwegs ist. Dann wurde es auch im Bus hektischer. Alle schlossen aufgeregt die Fenster, wiesen uns genauso aufgeregt daraufhin dieses gleich zu tun. Dann plötzlich duckten sich alle, versteckten sich geschlossen unter den Fenstern. Manche hielten die Hände über den Kopf. Das war dann auch so ziemlich genau der zweite Moment, bei dem mir auf der langen Reise durch Honduras durchaus unwohl war. 

Es stellte sich am Ende raus, dass Demonstranten unterwegs waren – was bekanntlich in Mittel- und südamerikanischen Ländern ein eher gewaltsames Unterfangen ist. Nach 2h bangen Warten im 40grad heißen Bus mit einem Getriebe, dass sich anhört, als hätte es bald keine Zähne mehr – so wie ein Großteil der Menschen an der Grenze zu Honduras auch – ging es ohne große Zwischenfälle weiter. Oft schauten wir sehnsüchtig den Chiquita-Trucks hinterher, die an uns vorbeirauschten. Was hätten wir nicht alles für eine saftig-süße Chiquita-Banane getan, nachdem wir seit 4:30 nur das Doritos-Chips-Cola-Maxi-Kombi-Breakfast von einer schielenden Kiosk-Mutti zu uns genommen haben!!! 

Zu dem Zeitpunkt war bereits klar, dass wir die Fähre nach Utila auf die Bay Islands nicht schaffen werden. Ich musste an Roberto denken: Wie sehr wir uns einfach einig waren…

Auf der weiteren 3h-Fahrt nach La Ceiba haben wir uns daran erinnert, dass heute unser Jahrestag ist. Maschinengewehre und Steinwürfe – ein sehr spezielles Jubiläum bisher. Aber als wir uns La Ceiba näherten, wurde die Landschaft immer überwältigender: Hohe, vom Dschungel eingenommene Hügel, die immer wieder von reißenden kleinen Flüssen durchbrochen wurden.

In La Ceiba müde und völlig erschöpft angekommen, haben wir uns ein etwas besseres Hotel gegönnt. Ein Bett, was nicht durchgelegen war, ein Zimmer, in dem man nicht mit 10 anderen krabbelnden Genossen mit dünnen Beinchen die Nacht verbringt. Nach 2 Wochen endlich heißes (!)  Wasser, Handtücher, die liebevoll zu Blumen gefaltet sind, Seifen- und Duschgel-Applikationen und wohlriechende Bettwäsche. Es war wie eine Offenbarung, ein Reset für Körper und Geist. Nach den Unterkünften in Guatemala, die zum Teil zwar wirklich schön waren, aber der Standard doch recht einfach und niedrig war, der Lebensmittelvergiftung und der zweitägigen Odyssee nach Honduras brauchten wir genau DAS – ja genau – als Blumen zusammengefaltete Handtücher! Und so nahm der Abend doch noch ein muy romantico Ende.

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